Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

10.1889

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echten Schriften Epprian'S nicfit jujujät)Ien ift. Sie fiept nodj nicpt in
bem Pon Wommfen aufgefunbencn SSeraeidmiß bet Sßerfe Epprian'S au«
b. 3- 35Q, '° toenig roie in ben ätteften erhaltenen Epprianhanbfcpriften;
bagegen ßnbct fic fid) in jenen, beten SrüjetppuS, roie gartet gezeigt,
etroa um ba« 3- "9° fällt. (Sine Erroähnung ber Schrift ober ein Eitat
au« ihr fucht man oergeben« bi« in ba« fpäteve Wittelalter. SIber tner
ift ihr SSerfaffer? Diefe grage wirb um fo intereffanter, al« ftpon
Ifjameliu« unb nach bicfem äMarmin in ihm einen römifchen SSifctjDf
ertannt haben motten. Dennoch hat erft bie Entbedung ber Dibadje
mieber ba« Slugenmerf mehr auf biefe Schrift getentt, roelaje mie fie ben
©irten be« ©erma« Berroerthet, fo and) einer bet roenigen Beugen für
ben ©ebraiidj ber StpofteKegre im vthenbtanb ift. ©arnad hat nun bie
lange SSerfäumniß ber 93atriftif ttarhaupolen gefurpt, unb er ift au bem
üherrafchenben Ergebniß getaugt, baß mir in feinem anbeten al« bem
93ifchof SSictor I. oon 5Rom ben 93erfafjer biefer ©djrift au erhtiden
haben, fomit ber erften erhaltenen rhriftlichen in tateinifdjer Sprache.
SHIein ift bie« fHefnltat richtig'? Der ©egenftanb ber Schrift, ba« Söürfeh-
fpiet, mirb nur feiten in ber altchriftlid)cn Literatur berührt: SlpoHoniu«
roirft e« ben montaniftifehcn Sßropheten Por (Eufebiu« H. e. V, 18,11),
Dertutlian bem 9lpette« (De carne Chr. 7), Kiemen« 211. eifert bagegen
(Paed. III, 11, 75), ba« Roncit a11 Eloira, nathficptiger bie apoftolifchen
Ranone« perbieten e«; baß e« geübt ronrbe, befunben Stmhrofiu« (De
Tobiall), ©hnefiu«, ber e« nicht aufgeben ju fönnen befenut, ©rcgor
Pon Dour« (h. Fr. X, 16), and) SBürfel unb SBürfelbretter in ben Rata«
fomben, mie benn bie Dotnitilla«Ratafombe felbft ba« ©rabmal eine«
artifex artis tessellariae lusoriae enthält. 3"1 flinjen fdjeint bie 93e«
urtheilung eine milbe gemefen }U fein, au energifcherem Einfdjreiten
nielleicht auch ber 2lnlaß gefehlt ju haben, ©ehr entfcfjieben bagegen
mirb in De aleatoribus bem SBtürfelfpiel at« ©ößenbienft ba« Urtfjeil
gefproajen. Die Schrift ift an bie ©laubigen überhaupt gerichtet, menbet
fiel) aber üugteid) in ben bie Einleitung bilbenben Pier erften Rapitetn an
bie Witbifajöfc be« SSerfaffer« infonberheit, baher fie ©arnad al« einen
Pen Pornherein jur fd)riftlid)en SSeröffentlicpung beftimmten bomiletifepen
Draftat bejeichnet. Sb" Sprache ift ber SBulgärbialeft, mie ihn in j
gleicher Söeife jene 93riefe Pertreten, roelche roegen ihre« BufammenpangS 1
mit Eßprian -u beffen Srieffammlung Stufnapme gefunben. 3" SBort«
oorratf) unb Gegriffen berührt fie fid) mit ben Sßerfen Epprian'S unb
Dertutlian'«, ohne jebod) irgenbmelche Slbpängigfeit Pon biefen; ber Stil
aber unb bie SBortformen finb anbere. Ebenfo fehlen auch noch alte
Spuren einer miffenfd)aftlid)en Dheotogie, nur an« ber Schrift unb eprift« ;
tirfjen Worat mirb argumentirt. Die« arte« fällt befonber« baburd) in«
©emidjt, baß ber SPerfaffer biefer Schrift ein 23ifd)of ift. Unb amar ift
e« ein 23ifa)of einer beroorrageuben ©emeinbe. ©arnad tjebt herPor,
bafe h'cr ein yJifajof rebet, „ber fid) für berechtigt hält im Scannen fämmt«
tidfer 23ifajßfe ju fpredjen". Er lehnt ab, bah hier ein Rotleftiofcbreiben
einer ©ßnobe oorliege, buref) ben ©inroei« auf bie in bem Draftat felbft, j
im ©egenfaß jur Einleitung, herrfepenbe Einaagt ber SRcbenben. Dann
Öfter fann e« fid) aüerbing« füglid) nur um bie 93ifajöfe Pon 5Rom unb \
Rartpago hanbeln; unter biefen mirb aber mieber ber bon SRom, roeteper i
and) bem Stfrifaner Dertutlian a(« 99ifcpof in erfter Stelle in 99etradjt ;
fommt, bie größte SBagrfajeinlinjfeit für fid) haben. ©leid) im Eingang
refurrirt bie Schrift auf ba« iöetrautfein mit bem apostolatus ducatus
b. h nid)t ber „güprerfcpaft unter ben vlpoftetn", fonbern ber „im
Slpoftolat tiegenben ©errfajaft" (©arnad S. 98), mit ber ©tetlocrtretung
Eljrifti (vicaria domini sedes); auf bie 3"haberfd)aft be« Urfprung« be«
autftenttfepen Slpoftolat«, auf ben Epriftu« bie Riraje gegrünbet hat
(originem authentici apostolatus super quem Christus fundavit eccle-
siam in superiore nostro portamus;, Perbnnben mit ber SSottmad)t ju
hinben unb au löfen. E« ift bie SBerroertpung ber SSerpeißung SLTcattt).
16,18 f. «ber fie ebenfo mie 3op. 21,15 f. macht ber SPerfaffer be«
Draftat« nun nidjt für fid) allein geltenb, fonbern auch für alle feine
TOitbifchöfe: ber gefammte Epiffopat hat 9Intf)eil an ber Eathebra IBetri,
bem 9lmt be« ifietru«. Dennoch fpricht eben bie« für, unb nicht gegen
bie Slutorfcbaft eine« römifchen IPifchof«. Denn richtig bemerft ©arnad,
bah ber iperfaffer offenbar Pon bcn Sifcböfen überhaupt fpricht, mie er
Pon fid) al« Sifchof benft. 3ft e« aber ein römifeber SBifdjof, fo au«
ber Ueit nor ber Witte be« 3. 3ahrhunbert«; benn nicht nur mirb
fchmerlid) ein fpöterer römifd)er Söifd)of nur ber lingua rustica mächtig
gemefen fein, fonbern fchon ©tephanu« oinbicirt ba« SBort Ehrifti Watth.
16, 18 au«fd)liefjlid) bem römifchen SBifchof. SBir merben aber aud) fonft
geneigt fein in eine frühere fjeit aurüdflugeben. Die Schrift trägt näm«
Iid) mehrfache Werfmale eine« hohen «Itertfmm«. Dapin gehört fdjon
bie Pötlige Unabhängigfeit bon ber fefter ausgeprägten Derminologie
eine« Dertutlian unb Etjprian. Scodj entfdjiebener aber bie Söeife ber
Sdjriftperroerthung. Die ©djrift, in bem citirten Dert befonber« ber
SSibel Epprian'8 bermanbt, mirb nämlich Pon bem SSerfofjer burdjau« in
altcrthümlidjer Söcife citirt. «18 scriptura divina mirb ba« «. D. Per«
ferihet, ebenfo aber auch bie «pofaltmfc unb ber ©irt be« ©erma«. «u«
bem 9?. D. roirb oag „EPangelium" ebenfo forgfältig angeführt mie
"ngenan bie „«poftel". Dabei roirb bie „«poftetlehre" roie bie tljauHni-
fdjen Sdjriften benufet, bie «nfjählung ber unoergebbaren Sünben gegen
©ott ift pon ihr abhängig, ijroei ©errenmortc fd)einen au« nidjt

fanontfdjen EPangetien ju ftammen. Daju fommt nun, bah ein Eatijt
mit ber SPergebuug andj oon Dobfünben begonnen, hier bagegen c. 10
folaje für unpergebbar erflärt merben. Wan roirb baper aud) nicht an
fpätere iBifchöfe benfen, etroa an Dobian, ju beffen iBerfönlicpfeit ber
Draftat roopl ftimmen mürbe, fonbern an frühere; benn bah Dertutlian
De pud. 21 bie ber unfer« SSerfaffer« ähnliche «uSbrudSroeifc Ealijt'ä
über bie bifdjöflidje 2Ibfolution«geroaIt für unerhört erflärt, betteif) nidjt«
bagegen. Daju fommt aber nun, bah nur oon Einem römifepen SPifajof
biefer 53eriobe beridjtet mirb, bah er lateinifche SBerfe Perfaht: ben SBifchof
tPictor I. bejeiepnet ©ieronpmu« al« erften (ateinifdjen chriftlicpen Sdjrift«
ftetler (cuius medioeria de religione exstant Volumina). $u ber 'Ber*
fönlicpfeit SPictor'«, Por altem feiner ©odifajäpung ber epiffopalen Stöürbe,
aber aud) ber Energie, mit roeldjer er feine Ueber^eugung burdj Erfommuni»
fation geltenb madjt, ©aßt ber Draftat burajau«. Denn mit großem
Ernft Perlangt biefer Unterbrüdung be« Spiel« in ber ©emeinbe buraj
«uSfcptuh ber Spieler. 3n einer fjeit relatioen fyrieben«, mie bie SPictor'S
mar, ift er gefdjrieben. Wan barf baper thatfäcplid) ©arnad auftimmen,
menn er in biefer ©djrift ba« SBerf viictor'8 al« be« erften lateiiiifdjen
Sirdjenfdjriftftetler« erblidt, ebenfo aber aud) barin, baß biefe fursc unb
unbeholfene Sdjrift ein rühmliche« 3eugnih baoon ablegt, mie ba«
üliimatsbemuhtfein biefe« töifdjof« oor altem ein SSeroußtfein hotjer SPer«
antmortlidjfeit ift.

Dorpat. _ H. fSonroelfd).

ffrieben«burg, SBalter, Der 91eid)8tag ju ©peier 1526 im Uufammen«
hang ber politifajen unb fircbl. Entmidtung Deutfdjlanb« im SRefor«
mationSaeitatter. (©iftorifepe Unterfucpungen. ©r«g Pon 3- 3aßrom.
©eft V.) ißerlin 1887, ©ärtner (XIV, 602 S. gr. 8). 15 Wf.
SJereit« oor iprem Erfcpeinen burfte man auf bie oorliegenbe SJer«
öffcntliajung al« auf eine peroorragenbe fieiftung gefpannt fein, ©atte
boaj ber ®efd)ichtfd)reiber ber großen 9}eittj«oerfammlung, melcper bie
proteftantifaje ffirdje ipren Scamen oerbanft, 3uliu« fjeep, ber felbft
bereit« SPorbereitungen a« einer Darftetlung be« fpeierer fReicpätag« Pon
1526 getroffen patte, auf biefelbe bei ber ffunbe Pon 3rieben«burg'8
Unternehmen Peraittjtet unb fiep mit ber SSeröffentlittjung einaelner «ften«
ftüde in ber „Ueitfcprift für Stirdjengefdjidjte" begnügt, benen er fpäter
an bemfelben Orte fRattjträge folgen ließ. fRidjt aum erften mal ift ber
SPerf. mit oorliegcnbem iÖanbe auf bem ©ebiete ber IReformation««
gefdjidjte fdjriftftetterifdj aufgetreten, «ußer einaelnen «uffäßen, mie
ben Beiträgen aum 33riefroed)fet atoifdjen ©eraog ©eorg unb iianbgraf
IBpitiph Bon ©effen 1525 bi« 1527 (im „fReuen «repio für bie fäcpfifdje
©efdjidjte unb 2lltertum«funbe", 93b. 6, S. 98 ff.) unb bem IRegenSburger
Ronnent oon 1524 („©iftorifepe «uffäfee bem «nbenfen ©eorg SSaiß
geroibmet." ©annooer 1886) gegärt hierher 0'e «bpanblung a»r SPor«
gefepiepte be« ©otpa» Dorgauifcpen iBünbniffe« ber Enangelifepen 1525—
1526 (Warburg 1884), roelaje feineraeit in b. 931. aur iöefprecpung ge«
langt ift.

SBaS nun bem Porliegenben 93uaje feinen bteibenben 955ertp Perteipt,
ift bie ffrütle be« Stop, toetrpe pier in einer iPotlftänbigfeit unb «b«
gefdjloffenpeit oortiegt mie für feinen anberen fReidjStag. 27 «rdjibe
finb benußt, außer ben befannteren größeren haben andj einaelne Heinere
bemerfenSmertpe «uSbeute geliefert, «ußerpalb be« Deutfchen iReicpe«
ift SBien unb 93rüffet a« nennen. Die ©eiftung tritt un« in iprer ganaen
93ebentung oor «tigen, menn man bie ffütle oon iRegiftranbenbeaeidiuuiigcn
überblidt, metdjc bie einaelnen «ftenftüde benennen unb S. 491—496
aufgeaäplt merben. fReicplicpe Ißroben liegen in ben «nmerfungen bor,
außerbem finb im «npange 14 größere, befonber« roiepttge Urfunben
abgebrudt. 3<h Pebe unter ipnen bie 3nßruftion Rarl'8 V. Pom
27. 3ut' fjerbor (©. 568—581), in metajer un« ein genauer Ein«
btid in bie politifajen Ermägungen geroüprt unb eine eingepenbe Dar«
fteüung ber «upffung ber iRötpe beaügtiep ber religiöfen Srage in
Deutfdjtanb, namentlich, beaüglidj ber Einhaltung be« SBormfer Ebift«
geboten roirb. «udp engtifepe unb fdjroeiaerifdje gebrudte Urfunbenfamm«
iungen finb mit Erfotg perangeaogen; au« erfteren ftammt ber 91u8fprud)
Rar!'« V. über feine Stellung au ben EPangetifdjen (©.480), au« leßteren
eine beaäjten«roertpe Epifobe, meldje ben «npöngern ber neuen Sepre
oerpängnißpolt au merben brobte (©. 295 f.). Wit ber gürte be« Stop
Oerbinbet fiep bie ©efdjtoffenheit unb SPoHenbung ber Darftetlung: in au«
aiepenber unb lebenbiger Spracpe mirb un« ein feffetnbe« 93i(b oon bem
ffufammenpange be« fReidjStag« mit ber potitifdjen unb religiöfen 93e-
megung, oon bem ©ange ber SPerpanblungen, Pon ber Stellung ber
^Parteien unb iprer 9Sertreter, ben WotiPen für ba« ©anbetn ber einaelnen
©lieber ber 93erfammlung entroorfen. Durdj ba« ^erroeben ftatymdier
fleiner .Büge mirb un« eine anfepaulidje Sdjitberung Pon bem ©eben unb
Dreiben, bon bem ©angen unb 93angen, bon bem freubigen Ernft unb
ber peiligen 93egeifterung jener gemittcrfdjmülen unb entfepeibenben Dage
entroorfen. 3mmer Oon neuem feprt man au geroiffen 93artieen aurüd.

3n atoei iöüdjer pat ber 93erf. ben Stoff eingetpeitt: ba« erfte ift
überfajrieben: Raifer unb SReiaj (S. 19—189), ba« anbere (©. 191—487)
ber fReidjStag felbft. 3«ie8 aeidjnet ben ©intergrunb unb gibt bie Er«
pofition, auf bem fiep bie ©anblung abfpiett. 3e Perfdjiebenartiger bie
Strömungen, je größer bie ©egenfäße, je bunfler bie QieU finb, um
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