Luthardt, Christoph Ernst [Begr.]

Theologisches Literaturblatt

10.1889

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artigem SBertße. SReajt anfpredjenb ift ba! S. 184 über Bf. 92,13 „®er
®eredjte blüßt wie eine iBatme, Wie eine ©eber auf bem Sibanon fdjießt
er empor" SBemerfte: „Sffienn e! „iBatme" beißt, roarum ftebt nodj
i(©eber", unb wenn es" „©eber" beißt, marnm noeb „Balme"? Solenn el
nur „©eber" unb nidjt aucfj „Balme" ßieße, fo l)ätte idj fagen fßnnen:
SBie bie ©eber feine grüdjte bringt, fo bringt auaj ber ©eredjte feine
ffrriidjte; barum ßeißt e! nodj „Balme". Unb wenn e! nur „Balme''
ßieße unb nidjt aud) „Seber", fo ßätte idj fagen fönnen: SSie ber ©tumpf
ber ^Satme feine ©ajßßlinge treibt, fo treibt auaj ber ©tumpf bei ®e«
recfjten feine ©ajßßlinge; barum atfo ßeißt el nodj „©eber"." gür bie
tßalmubifcße ©regefe ift djarafteriftifcß bie ®eutung bei bem Skrbum
finitum oorangefteßten Jnftnitiou! abfolutul (©. 62. 36. 107), ber Htflt»
fatioparttfel ns (©. 213: ©en. 46,15, baß Jafob außer ®ina nodj eine
®odjter tjatte), bei gaßtenmertße! ber SBucßftaben Bon SSorten (©. 111
rvsrra = 83), Bgl. aud) t»ws ins tsw» ©. 137. ©eßr oft werben SBorte
ober ganje Berfe oßne jebe Rüdficßt auf ben gufammenßang gebeutet:
Bf. 10,3 (©. 42) „®er SRäuber, ber ben ©egen fpricßt, erjürnt ben
©wigen"; ®eut. 22, 1 (S. 61) naVsni „®u barfft bicf) entäießen"; ©r.
23,2 (©.75) <Pf. 90,12 s-a: „Bropßet"; ©attj. 9, 17 (©.136) „uTcoft
mad)t Jungfrauen offen (b. i. flug)" [aa-sp bebeutet „macßt fproffen"].

®ie bunte SIRannicßfaltigfeit bei Jnßalt! ber §aggaba tßeoretifdj
barjutegen ift tjter nidjt SRaum. ©inige SBeifpiete aber feien mitgettjeift.
Weil fie für bie Sefer b. S3I. Bon befonberem Jntereffe fein werben, ©in in
ber @tt)if Biet erßrterter Jaü Bon Bßidjtentotlifion finbet fiep fdjon SBaba
meji'a 62» (©. 79): „SBenn fiel) jwei auf ber SReife [in ber SBüfte] be«
finben unb in ber §anb bei einen ein SBeajer mit SSaffer ift — trinfen
beibe, fo fterben fie, trinft jebod) nur einer, fo erreicht er bal bewofjnte
Banb — fo tjat SBen Betora Borgetragen: „©! ift beffer, baß beibe trinfen
unb fterben, all baß einer ben ®ob feinel ©enoffeu mit anfeße"; bil
SR.'Slqiba fam unb leßrte: „®amit bein SBruber mit bir lebe" (Seo. 25),
Wal fagen will: ©lein Sieben getjt bem Sieben beinel SBruber! boran".
3Bie SR. SBanaa ben eeßten ©oßu erfennen leßrt, erjätjlt SBaba batßra 58»
(©. 164 f.): „©ine grau tjatte jetju ©filme, Bon'benen nur einer ißre!
Wirflidjen SIRanne! ©oßn mar. 8111 ber SÜRann, ber bie! gufällig erfaßreit,
im ©terben lag, fpradj er: „Sitte meine ©üter foHen nur ©inem ©oßne
anßeimfatlen". SRun mußten fie nießt, meldjen er pm ©rben eingefeßt
ßatte. ©ie tarnen Bor SR. SBanaa, meldjer fie baßin befeßieb: ©eßet unb
feßlaget auf ba! ©rab euere! SBater! fo lange, bil er auffteßt unb eudj
angibt, melcßem Bon eueß er bal ©rbe ßinterlaffen ßat. ©ie gingen alle
baßin; nur ber eine, ber mirflid) fein ©oßn mar, ging nidjt mit. ®a
fpraeß SR. SBanaa: ©liefern geßßren alle ©üter". SR. Jofua unb SR. Jlmael
ben ©lifa leßren (SBaba batßra 60b; ©.167.168): „StRan barf nicßtl
über eine ©efammtßeit befajließen, wenn babei bie SIReßräaßt ber ®e-
fammtßeit iticfjt befteßn fann". — 9Reßrfadj ßabe icß naeßbrüdlicß barauf
ßingewiefen, baß man nidjt oßne weitere! fagen bürfe ,,©>er ©ßatmub
leßrt (fagt) an ber unb ber Stelle", baß nielmeßr in ber SRegel gefagt
werben muß: „©er unb ber SRabbi fagt an ber unb ber ©teile in bem
unb bem gufammenßange". fjür bie Rotßmenbigfeit fo ju citireu liefert
ä- SB. SBaba meji'a 59» (©. 73 f.) einen beutliajen SBemcil. ®a fagt SRab
mit 83ejugnaßme auf 1 Kon. 21,25: Jeber, ber im SRatße feine! ISeibe!
Wanbelt, fällt in bie $ßHe; unb wenige geilen fpäter lefen wir, baß
SR. ©ßelbo mit SBerufung auf ©en. 12, 16 jagte: Jmmcr neßme ein SIRenfcß
SBebadjt auf bie ©ßre feine! SBeibel; benn ber ©egen wirb in bem |>aufe
eine! SDtenfcßen nur wegen feine! SJßeibel gefunben.

91uf djriftlirße Siefer wirft reeßt abftoßenb ber £odjmutß ber ©efeße!«
leßrer. SBaba meäi'a 85b (@. 97); „©Infi ftritten SR. ©ßanina unb
SR. ©ßaja [st^n, bie gewßßnliaje 81u!fpracße „Sßija" ift meine! ©radjtenl
Bon äroeifelßafter SRiajtigteit|. ®a fpraoß SR. ©ßanina ju SR. ©ßaja: 2Rit
mir mitlft bu ftreiten? ©ott beßüte! wenn bie ©ßora etwa Bon Jfraet
in SBcrgeffenßeit geratßen fotlte, fo mürbe idj fie bureß mein ©ilputiren
Wieber in! ©ebädjtniß rufen. ®a erwiberte SR. ©ßaja: SDRit mir WiUft
bu ftreiten, ber icß e! bewirfte, baß bie ©ßora in Jfrael nidjt in S8er<
geffenßeit gerätß?" — 811! SRab r2lmram unb SR. ©ßalba einft mitein«
anber ftritten, „barft plßßlicß bie ©eber (©ebernfäule) bei Sleßrßaufe!".
®a fpraeß SRab 'Slmram: SReinetWegen ift bie ©eber geborften [für midj
S+lartet ju neßmenj. Unb ebenfo fpraeß SRab ©ßalba: SUteinetmegen ift
bie ©eber geborften. SBaba meäi'a 20b (©. 55). — gaßlreidje fraffe
Sleußerungen jeugen Bon ber übertriebenen Sertßfdjäßung ber SRabbinen.
SBgl. namentlidj bal in SBaba meäi'a 59 (©.74ff.) über bie ©rfommunifatiou
be! ©liefer ben ©ßrfano! ©rääßlte; ferner SBaba qamma 117 (©.50 f.):
SR. Jodjanan unb SRab Saßana; ">Baba meäi'a 85 (©.98f.): Sragfeffel
bei SR. ©ßaja (NB. bie ßimmlifaje ©ißung). SBefonber! befremblidj ift
un! SB. meäi'a 86» (©. 100:: „SRabba bar SRacßmani faß auf bem ©tumpf
einer ©attelpalme unb lernte. SRun war man in ber ßimmlifdjen ©ißung
(us^pn xna^n», ßebräifdj na»*: hv na^to^) Berfdjiebener StReinung. Solenn
ber weiße gied bem weißen §aar oorangeßt, fo ift er [ber Slulfäßige]
unrein; wenn bagegen ba! weiße §aar bem weißen gied oorangeßt, fo
ift er rein. SBie aber, Wenn ein gweifel obwaltet? ®er ^eilige, gebene*
beiet fei ©r, fagte: SRein; bie ßimmlifdje ©ißung: Unrein. Süßer foü ba
entfdjeiben? SRabba bar SRacßmani; benn biefer ßat gefagt: Ja) bin bet
©inäige in ben ©efeßen über fwutaulfcßläge unb aueß ber ©inäige in
ben ©efeßen über ba! gelten". SBaba batßra 14» (©. 137): „®a ridjteten

bie SRabbinen ißre Slugen auf ißn unb er ftarb"; baf. 75» (©. 180):
„SR. Jocßanan ridjtete feine Slugen auf ißn; ba Würbe er (ber ©djüler)
äu einem Sinodjenßaufen"; baf. 22» (©. 157) ftreiten fünf SRabbinen, Wer
Bon ißnen ben ©ob be! SRab Slba Bar SIßaba Beranlaßt ßabe. SBgl. nodj
©. 119. 125 ic.

®e! SReuen ©eftamente! wegen feien folgenbe yRottjen ßier äufammem
gefteüt. ©. 67 (SReäi'a 38b): „SBift bu etwa au! SBumbebitßa, wo man
einen ©lepßanten bureß ein SRabelßßr ßinburdjgeßen läßt?" ©. 144
(SBatßra 15 b): „©agte ber SRicßter: nimm ben ©pan au! beinen Slugen,
fo mürbe ißm entgegnet: nimm ben SBalfen au! beinen Slugen". Oft
Wirb kptii , Bgl. StRattß. 5, 22 peaed, all ©ajimpfmort gebraueßt, fo
©. 12. 42. 180.

SSerfcßtebene nidjtßaggabifdje ©teilen in ben SBabotß finb gelegentlittj
ber SSerßanblungen über bie „Jubeufrage" in ben leßten Jaßreu ©egen«
ftanb ßeftiger Singriffe auf ben ©ßalmub gemefen. SBünfdje ßat baßer
aud) SBaba qamma U3»b. 114», SB. meäi'a 24b. 85b. n4ab 93. batßra
16». 54b in ben SBereiaj feiner Slufgabe geaogen, mßrtlicß übertragen unb
fo jeben, „ber nur einigermaßen be! §ebräifdjen märßtig ift, in ben ©tanb
gefeßt bie betreffenben ©teilen mit bem Original äu Bergleidjen unb auf
ißren Jnßalt ßiu äu prüfen". Sßei foldjer Prüfung wirb, wenn ber
Sßrüfenbe ben gufammenßang Beadjtet unb wenn er mit ber tßatmubifdjen
®enfmeife wenigftenl in etwa! befannt ift, gar mandjel in anberem
Sidjte erfdjeinen. Jaj mßdjte ba! wenigftenl burdj ©in Sfleifpiel erläutern.
SBaba qamma 113b (©. 48) lefen mir: „©inen ©oj (■'U SRicßtjnbe, ba«
mal! == §eibe) äu berauben ift Oerboten, fein SBerlorenel aber ift er«
laubt". ®a! ift un! anftßßig; aber man muß bebenfen, baß bie ©ojim
im ©ßalmub faft bureßmeg foldjc SBßlter, be;,w. Stugeßßrige foldjer SBßlfer
finb, oon meldjen angenommen würbe, baß fie bie Jfraeliten in jeber
SIBeife bebrüdten, Bon meldjen alfo ein gurüdgeben gefunbenen ifraelitifajen
©ute! burdjau! nidjt äu erwarten war. ®aäu fommt, wie man aul
©. 55 ff. fittj leießt überäeugen fann, baß auaj ber Jfraelit feinelwcgl
unbebingten ober allgemein auerfannten Slnfprnaj auf gurüderßalten
feinel oon einem Jfraeliten gefunbenen ©ute! ßatte, Bgl. befonber!
©. 57: „SRaba wanbelte auf bem SRarfte ber ©ajufter, nadj anberen auf
bem SlRarfte ber SRabbinen, ßinter SRab SRacßman. ®a fpraaj er: SBeun
ßier jemanb einen SBentel (mit ©elb) fanbe? 'Siab SRacßman antwortete:
©r würbe ißm geßßren. S'äme aber ein Jfraelit unb gäbe ein geidjen
baran an? ©r würbe ißm bodj geßßren. Slber ber SBerlierer fteßt bodj
ba unb fäjreit?. ©I ift fo, all fajriee er über fein $aul, ba! eingeftürät
ift, ober über fein ©djiff, ba! im STReer Berfunfen ift [b. i. über ein un«
Wieberbringlicß Berlorenel ©utj".

®ie lleberfeßung SBünfdje'l oerbient, foweit idj auf ©runb ber SBer«
gleidjung gaßtreießer ©teilen bei Original! urtßeilen fann, all eine faft
bureßmeg redjt änoerlaffigc Begeicßnet äu werben. ®ie §erren ®. |)offmann
in SBerttn unb Jmm. 2ßm in ©äegebin ßaben jut ©rreidmng biefe!
SRefultate! beigetragen, inbem fie jeben ®rudbogen (äßulidj wie fdjon bei
ber oorßer erfdjienenen Drbnung „Süöeiber") in äweiter Befung einer
SReBifion unteräogen. Jdj ßabe folgenbe SBeriajtigungen anäufüßreu.
©. 34, Woßer bie lleberfeßung „Scßmieb" für isp.M? ©emßßnltdj beutet
mau „Sleifdjer"; SRßlbefe fcßlägt Bor „Sllpßaltßanbler", J.Seoß „©unimi-
ßänbler". ©. 39 feßlt nadj SRr. 75 ba! ©priajwort: „SJBenu ber .jjunb
ßungrig ift, oerfajlingt er auaj ©jfremente", woäit Spr. 27, 7 citirt wirb.
©.42, ba! all SRr. 81 bcäeidmete ©tüd fteßt im ©ßalmub Bor SRr. 83.
©. 43, g. 6, ift -a-rrvn falfcß „SBaraitßa" miebergegeben. ©. 56, SRr. 11,
g. 9 feßlt „Simeon ben" Bor „©leafar". ©. 65 unb 96 ift ftatt „©emara"
äu lefen „©ßalmub" (f. ®iqbuqe ©opßrim ä« 58000 meo''° 3. 98. 249;
meine „Einleitung in ben ©ßalmub" ©. 7). ©. 133 unb 152 muß el
ftatt „©liefer au! STRobai" ßeißen „©leafar aul SIRobi'im". ©. 156,
g. 4 u. 5 lie! „unterriajtet ift" (ö-ps ber Biel gelernt ßat, belefen ift)
ftatt „unterriajkt". S. 162 ift ber ©aß „-Bie muß ba! Oberfleib"
fammt ber Slntmort Berfeßentlidj äweimal gebrudt. ©. IV unb ©. 116
I. „STRariamme" (nidjt „STRariamne"). — ©rudfeßler: ©. 13, g. 4 B, u.
1. ion (mit ©ßetß). ©. 30, g. 10 1. „bei ben ©aufenbeu" ftatt „äWei %."
©. 122, g. 5 1. „pfänben" ftatt „fajänben". — SlRßdjte bie ßier angeäeigte
lleberfeßung ber ßaggabifdjen SÖeftanbtßeile be! babßlonifäjen ©ßalmubl
Diele Käufer finben unb baburdj bie balbige SJodenbung be! foftfpieligen
llnterueßmenl ermßglidjt werben!

®roß«SidjterfeIbe.__Jjcrmann $. Strack.

Harnack, Adf., Der psendoeyprianische Tractat de aleatoribus,
die älteste lateinische christliche Schrift. Ein Werk des römi-
schen Bischofs Victor I [saec. II.] (Texte und Untersuchungen
zur Geschichte der altchristlichen Literatur von 0. v. Gebhardt
und A. Harnack. 5. Bd. 1. Heft.). Leipzig 1888, Hinrichs (V,
135 S. gr. 8). 4. 50.

Scßou öfter! ift bemerft worben, baß bie Scßriftcn, meldjen e! miber«
faßren, mit bem SRamen eine! berüßmten Kirajenoaterl gefeßmüdt äu
Werben, bie! ßernaoj mit um fo größerer SRicßtbearßtung büßen mußten.
®iel ©efdjid ßat auaj bie unter ben SBerfen ©ßprian'l überlieferten
©djriften betroffen, wie bie De duobus montibus Sina et Sion, De
XII abusivis saeculi imb aud) bie oorliegenbe De aleatoribus. ©I
mußte fieß °on biefer bem SBeobadjter fofort aufbrängen, baß fie ben
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