Mittheilungen der Deutschen Orient-Gesellschaft: Mitteilungen der Deutschen Orient-Gesellschaft

91.1958

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plastik aus Ton hervorgehoben (lnv. Nr. 461/p). Es sind die ältesten strati-
graphisch nachweisbaren Stücke'-) einer Plastikgattung, die auch zur Zeit des
hethitischen Großreiches vorkommt (s. oben S. 30). Über Siegel aus dieser
Schicht vgl. S. 54.

Aus Schicht 4(18. Jahrh. v. Chr.) verdient neben einer bronzenen Lanzen-
spitze mit vierkantigem, schlankem Blatt und geschlitzter Tülle, zahlreichen
Ikon/.cnadeln und Bronzepfriemen, mehreren steinernen Gewichten und einer
Anzahl Siegeln (s.S. 48 f.) ein Bronzeplättchen von einem Schuppenpanzer
(lnv. Nr. 359/p) besonders hervorgehoben zu werden, weil es gegenüber den
bisher bekannten Stücken dieser Art, die mit dem 15. Jahrh. v. Chr. beginnen
- Nuzi, Ras Shamra, Teil Acana, Bogazköy, Kar-Tukulti-Ninurta, Troia
u.a.13) - aus auffallend früher Zeit stammt,:,J). Es lag im Brandschutt der
Schicht 4 und hat auf der leicht gewölbten Oberfläche eine Längsleiste sowie
drei Löcher einwärts der einen Schmalseite.

c. Keramik aus J-K/20
FRANZ FISCHMR

In unserem Vorbericht über keramische Funde hethitischer Zeit, die bei den
Ausgrabungen in Bogazköy im Jahre 1957 zu Tage kamen, dürfen wir die
Grabungsstelle auf Büyükkale — so wichtig sie in anderer Hinsicht geworden
ist (s.S. 57ff.) - vernachlässigen, denn sie hat nur wenige unbedeutende Scher-
benfunde gebracht. Dagegen erfordert das 1957 untersuchte Areal in der
Unterstadt (Planquadrate J—K/20),besonders dessen südlicherTeil, unsere er-
höhte Aufmerksamkeit: aus Schicht 5 sind bemerkenswerte, wenn auch nicht
sehr zahlreiche Scherben dazugekommen; in den Häusern der zum ersten Male
faßbaren Schicht 3 wurde Keramik in größerer Menge gefunden, und endlich
sind aus einem noch nicht ganz ausgegrabenen Gebäude der Schicht 2, auf
dessen steinernen Fundamenten noch Reste des aufgehenden Lehmziegelmaucr-
werkes saßen, einige ausgefallene Neufunde zu melden, von denen schon oben
(S. 25 ff.) einige Stücke vorgeführt wurden.

In den bisher untersuchten Quartieren der Unterstadt (in den Stadtplan-
quadraten J K/20 21) sind unscheinbare Spuren einer Sicdlungsperiode, die
älter als Schicht 4 sein mußte, schon 1938 und 1953 beobachtet worden14);
aber erst 1956 wurde in J/20 i/7 eine breite, aus großen Steinblöcken errich-
tete Mauer aufgedeckt, die Brandspuren aufwies und von teilweise verbrann-
ten Lehtnzicgelrcsten umgeben war15). In ihrer unmittelbaren Nachbarschaft

der 1956 gewonnene Aufschluß konnte 1957 nur geringfügig erweitert
werden (Abb. 17) — wurden Scherben gefunden, welche die im Vorjahre ge-
fundene Kollektion in willkommener Weise vervollständigen. Wir kennen
nun aus Schicht 5 folgende keramische Gattungen:

u) Ungefähr gleich alt ist der Löwe Bogazköy III Taf. 26, 1-3; Text S. 29.
") Vgl. zuletzt Gnomon 28, 1956, 251.

"*) Kur-pi'-si aber jetzt auch in Mari belegt: Arehives Royales de Mari VII 285
(S «0, 7 ). Hinweis von H. Ottcn.
") Bogazköy III 23.
I5) MDOG 89, 1957, 7; 50.
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