Mittheilungen der Deutschen Orient-Gesellschaft: Mitteilungen der Deutschen Orient-Gesellschaft

91.1958

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die eine erhebliche Ausweitung der kleinen Untersuchung erforderlich machten
und viel mehr Zeit und Kräfte in Anspruch nahmen, als dafür ursprünglich
vorgesehen waren. Ich denke, daß der Leser dieses Berichtes in Anbetracht
der auf Büyükkalc gemachten Funde diese Änderung unseres Grabungspro-
grammes billigen und die Verschiebung der restlichen Untersuchungen in der
Unterstadt auf die nächstfolgende Campagne verständlich finden wird.

Untersuchungen in der Altstadt

a. Die Grabungen im Wohnviertel J-K/20
PETER NEVE

Die im Jahre 1957 unternommenen Grabungen im Bereiche der Unterstadt
schlössen sich südlich bzw. östlich an die im Vorjahre durchgeführten Such-
schnitte A und B an und umfaßten eine Fläche von insgesamt 1500 qm beider-
seits der heutigen Fahrstraße. Das Ergebnis der Untersuchungen bestätigt
weiterhin die in den Vorjahren (1938, 1953 und 1956) gewonnenen Erkennt-
nisse, nämlich das Vorhandensein von fünf Besiedlungsperioden, drei hethi-
tischen und zwei vorhethitischen, wobei sich in der Schicht 3, d. h. der alt-
hethitischen, die bisher ohne jeden Architekturbefund war, diesmal umfang-
reiche Gebäudereste nachweisen ließen. Weitere klärende Deutungen waren
auf Grund günstiger Fundumstände in allen Schichten möglich.

An Spuren nachhethitischer Besiedlung fanden sich Reste der bereits 1953
und 1956 weiter östlich aufgedeckten, gemörtelten Wasserrinne byzantinischer
Zeit. Außerdem kamen Bestattungen zutage, die sich wegen Fehlens jeglicher
Beigaben schwer zeitlich genau einordnen lassen, es sei denn auf Grund ge-
wisser Parallelen zu Grabanlagen eines ähnlichen Typus. Es handelt sich um
Steinkisten- (Steinplatten-) Gräber einer Art, wie sie uns von einer Bestattung
mit reichen, die Datierung in hellenistische Zeit ermöglichenden Beigaben, aus
der Nähe des Nordtores in der westlichen Abschnittsmauer der Unterstadt
bekannt ist (vgl. MDOG 77, 1939, 33 f.). Zwei von den vier, 1957 aufge-
fundenen Gräbern wiesen Reste einer kreisförmigen Steinsetzung von etwa
6,00 m Durchmesser auf, deren Zentrum die Grabkammer bildete. Das Stein-
rund war mit Geröll und Schutt angefüllt und läßt vermuten, daß es sich
bei diesen Anlagen ursprünglich um Tumuli gehandelt hat, die im Laufe der
Zeit durch Witterungseinflüsse oder von Menschenhand abgetragen und ein-
geebnet worden sind.

Am Beispiel von Grab I (s. Abb. 1 a—b) seien die Bestattungen näher be-
schrieben: eine 1,90 m lange und 0,60 m breite Kammer aus sorgfältig aus-
gesuchtem Steinmaterial, darunter Spolien hethitischer Herkunft, barg das
Skelett; bei Grab I ein weibliches, auf dem Rücken liegend, mit auffallend
hintenüber gesunkenem Schädel. Die Grabkammer war mit vier Steinplatten
abgedeckt, von denen eine über dem Fußende fehlte. Das Grabinnerc besaß
keinen massiven Boden, sondern lediglich eine I^rdstampfung. Die maximale
lichte Höhe bis zur Unterkante der Deckplatten betrug 0,68 m. Orientierung
des Leichnams mit dem Kopf nach Südosten (bei Grab II SW, Grab III SSW,
Grab IV SO). Der Steinkreis besitzt einen Durchmesser von 6,20 m und ist
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