Mittheilungen der Deutschen Orient-Gesellschaft: Mitteilungen der Deutschen Orient-Gesellschaft

86.1953

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Die inschriftlichen Funde

von H. O 11 e n

Die Zahl der während dieser Campagne gefundenen Schriftdenk-
mäler beläuft sich auf 153 Tontafelbruchstücke; davon stammen 48 Tafel-
fragmente aus dem Gebiet des Tempels I, worüber H. G. Güterbock S. 56
ausführlich berichtet. Vier Tafelbruchstücke (leider wenig charakteristi-
schen Inhaltes), eine Siegelbulle (s. Abb. 27) und drei Abdrücke eines Hie-
roglyphensiegels auf einer Pithosscherbe fanden sich auf Büyükkaya bzw.
dessen Nordosthang (vgl. S. 48).

Die Grabung auf Büyükkale erbrachte in der freigelegten Fläche auf
dem südwestlichen Teil des Plateaus 68 Tafelbruchstücke, die, wie S. 10
bemerkt, bis auf eine Ausnahme aus phrygischem Schutt stammen. — Die
Weiterarbeit an der Frcilegung der magazinartigen Anlage D1) bestätigte
mit dem Fund von 23 Fragmenten den Eindruck der Fundhäufung, der
schon MDOG 75 S. 28 und 78 S. 43, 63 kurz angemerkt worden war. Da-
bei ist bemerkenswert, daß zu einigen der hier gefundenen Fragmente sich
Anschlußstücke feststellen lassen; das gilt von einem zweisprachigen hym-
nischen Gebet in Sumerisch und Akkadisch-) wie von einer eigenartig ein-
geteilten Liste, die Blei und Geräte aufzählt3).

Diese bescheidene Zahl der inschriftlichen Funde machte es möglich, die
wesentlichen Texte an Ort und Stelle zu kopieren; sie werden als 68. Wis-
senschaftliche Veröffentlichung der Deutschen Orient-Gesellschaft (= KBo
VII) in Kürze vorgelegt werden. So kann die vorläufige Übersicht sich
kurz fassen und nur auf das Wichtigste verweisen. Dabei bin ich sowohl
für die gemeinsam angefertigten Umschriften wie Besprechung der Texte
H. G. Güterbock zu aufrichtigem Danke verpflichtet.

Am bedeutungsvollsten unter den neu gefundenen Texten ist 29/k
mit 19 teilweise fast vollständigen Zeilen der Vs. II und geringen Resten
auf der Rs. Der Wert des Fundes liegt vor allem darin, daß dieses Tafel-
bruchstück aus eindeutig althethitischer Schicht stammt (s. S. 21), so daß in
diesem Falle einmal nachzuweisen ist, daß es sich um ein altes Original,
nicht eine spätere Abschrift des 14. bis 13. Jahrh. v. Ghr. handelt.

An dieses Stück fügt sich das kleinere und schlechter erhaltene Frag-
ment 530/f4), das bereits 1936 in sekundärer Lagerung unter der phrygi-
schen Burgmauer auf Büyükkale (Planquadrat q/16) gefunden worden
war. Der Sprache nach ist der Text althethitisch, ohne daß darüber hinaus

') Vgl. MDOG 76 S. 15 und Bittel-Naumann, Bogazküy-HattuSa (WVDOG 63)
61 ff.

*) 70/k + o.A.71/k (= KBo VII 1,2) + o. A. 481/e (= KUB XXXVII 115).
J) 27/k (= KBo VII 24) + o. A. 386/i (unv.).

4) Der Zusammenschluß heider Stücke nach einem Vorschlag H. G. Güterbocks
wurde freundlicherweise von Herrn Dr. Mustafa Selcuk Ar in Ankara nach-
geprüft und von Herrn Muscumsdirektor Nuri Gökje mitgeteilt.
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