Mittheilungen der Deutschen Orient-Gesellschaft: Mitteilungen der Deutschen Orient-Gesellschaft

86.1953

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Nachgrabung in den Ostmagazinen des Tempels I

(H. G. Güterbock)

Es war bekannt, daß beim Tempel I, wo Windeier und Makridi 1007
eines der Archive gefunden hatten, noch immer gelegentlich Tontafel-
bruchstücke zutage kamen. So dürfte z. B. ein kleines Zusatzstück zum
Großen Text des Hattusili1) von hier stammen, weil das Fehlen dieses
Textes unter den seit 19.31 auf Büyükkale ausgegrabenen Tafeln darauf
hindeutet, daß die von Winckler gefundenen Exemplare vom Tempel
kommen. Um ein Bild von der Situation zu gewinnen, unternahm der Ver-
fasser dieser Zeilen eine kleine Nachgrabung mit fünf Mann während
dreier Tage in den Räumen 9 und 10 der Ostmagazine2) und außerhalb
der östlichen Außenmauer. Anscheinend hat Makridi bei der Aus-
grabung Schutt von einem Raum in den anderen geworfen; denn Raum 11,
der die Hauptmasse der Tafeln enthalten haben und „bis auf den Boden"
ausgeleert worden sein soll, ist jetzt in seiner ganzen Länge bis zu den
oberen Mauerkanten mit Erde gefüllt. In den Räumen 9 und 10 nimmt der
eingefüllte Schutt weniger Platz ein, und das ist der Grund, warum wir
Raum 11 liegen ließen und unsere Nachgrabung auf die Osthälften der
Räume 9 und 10 beschränkten, die relativ frei von Schutt waren. Die Aus-
beute an Tontafeln war gering. Nur kleine und kleinste Fragmente wurden
gefunden. Von insgesamt 48 inventarisierten Bruchstücken aus dem Tem-
pelgebiet (Inv.-Nrn. 2000/k — 2047/k) wurden 14 von Arbeitern in den
östlich außerhalb der Magazine liegenden Schutthalden aufgelesen; 19
kamen aus Raum 9, davon etwa die Hälfte aus dem in der Mitte des
Raumes aufgehäuften Grabungsschutt, die andere Hälfte aus dem Ostteil
des Raumes, wo wir bis zu der unter den Fundamenten und dem Raum-
innern durchlaufenden Steinpackung hinuntergingen. In Raum 10, wo wir
ebenso tief gruben, fanden sich zehn Bruchstücke. Es war aber nicht mög-
lich im einzelnen zu bestimmen, welche Tafelfragmente von Makridi nicht
erreicht und welche von ihm mit dem Schutt der Nachbarräume herein-
geworfen worden waren. Weitere fünf Stück wurden außerhalb der öst-
lichen Außenmauer gefunden, zwei davon nahe dem modernen Weg in
einem von Schutthalden anscheinend freien Stück, dicht unter der Ober-
fläche.

Es ergibt sich also folgendes Bild: einige Tafelbruchstücke mögen
schon in alter Zeit aus den Magazinen hcrausgestürzt sein (die zuletzt er-
wähnten). Weitere Fragmente, die von den früheren Ausgräbern „über-
sehen" wurden, finden sich in dem alten Grabungsschutt, sowohl in dem
in die Räume geworfenen wie in den Halden außerhalb, und vielleicht
auch in der Tiefe der Räume, wo sie sie nicht erreichten. Ein Durchgraben

') Bogazköy-Tafeln im Archäologischen Museum zu Ankara (ABoT) Nr. 62, zu
KBo III (i.

*) Für die Numerierung der Räume vgl. O. Puchstein, WVDOG 19, Taf. .34; dazu
ebenda S. 123 ff. Der S. 124 erwähnte Suchsclinitt Makridis ist auf der alten
Garstang'scticn Photographie bei O. EL Gurney, The Hittitcs (Pclican Book,
1952) Taf. 6 zu sehen.
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