Mittheilungen der Deutschen Orient-Gesellschaft: Mitteilungen der Deutschen Orient-Gesellschaft

86.1953

Zitierlink

48

Büyükkaya

(K. Bittel)

Den auf seiner West- und Südseite schroff aus dem tiefeingeschnit-
tenen Bachtal aufsteigenden, im Osten jedoch in sanfteren Formen an den
ansteigenden Talhang sich schmiegenden Felsberg Büyükkaya (Abb. 24)
in den Kreis der Untersuchungen in Bogazköy zu ziehen, ist seit langem
als notwendig erkannt worden1). Was über seine Topographie und über
die erhaltenen, oberirdisch sichtbaren Baureste, vor allem auch über die
kühne Führung der Mauerzüge, die ihn mit der im Westen der Schlucht
gelegenen Stadt verbinden, zu sagen ist-), findet man in WVDOG 63,
97 f. und 114. Gelegentlich waren oben auf dem Berge und am Hange
Büyükkaya's Tontafelstücke aufgelesen worden, die es als möglich er-
scheinen ließen, daß in einem Gebäude auf einem der Plateaus und Ter-
rassen mehr dieser Art zu erwarten sei. Die Fnde September und Anfang
Oktober 1952 auf beschränktem Raum vorgenommenen Grabungen brach-
ten jedoch kein Ergebnis3). In Anbetracht des gemessen am Oesamtareal
sehr beschränkten Gebietes, welches die Grabung erfaßte, besagt jedoch
dieser negative Befund nichts Endgültiges. Die zweite Absicht jedoch,
welche uns auf Büyükkaya zu arbeiten bestimmte, nämlich die Frage, zu
welcher Zeit innerhalb der Geschichte Bogazköy's dieser Felsberg be-
siedelt und welcher Art seine Beziehung zum eigentlichen Stadtgebiet
westlich des Büyükkaya-deresi gewesen sei, führte zu wertvollen Auf-
schlüssen, die aber noch sehr intensiver, zukünftiger Weiterarbeit an
dieser Stelle bedürfen. Bis jetzt ist nur ein Anfang zu Untersuchungen
gemacht, die 1952 weder mit der verfügbaren Zeit noch mit den verfüg-
baren Mitteln zu bewältigen waren.

Die Oberfläche von Büyükkaya weist zwei Terrassen auf, eine kleinere
höhere im Süden und eine bedeutend größere tiefere im Norden. Die
Terrassen sind zwar primär durch die Oberllächenformen des natürlichen
Felsuntergrundes bedingt, in ihrer heutigen Gestalt aber weitgehend
durch alte Bautätigkeit bestimmt. Auf der nördlichen Terrasse zogen wir
quer über den Berg einen 60 m langen und 4 m breiten Schnitt, senkrecht
dazu einen 23 m langen und 2 m breiten in nordöstlicher Richtung. Der

') MDOG 75 (1937) 70. WVDOG 63, 14.

2) Für die Linie Büyükkaya—Minare—Ambarlikaya ergaben sich einige neue
Beobachtungen, die das in WVDOG 63, 98 Gesagte präzisieren. Die Ableitung
des Wassers durch einen Mühlkanal hat jetzt die ganz enge Klamm zwischen
Minare und dem Südostausläufer von Ambarlikaya leichter zugänglich ge-
macht. Die Stelle, wo diese enge Schlucht, anschließend an die beidseitig
heranführenden Mauerzüge, überbrückt war, ist genau nachweisbar. Außer-
dem konnte tatsächlich, wie a. O. vermutet, die Klamm sowohl an ihrem
oberen wie an ihrem unteren Ende durch eine Art Fallgatter verschlossen
werden. Die senkrechten, in den Fels gearbeiteten Führungsrinnen für diese
Verschlüsse sind, wie H. G. Güterbock beobachtete, erhalten. Dieses für seine
Zeit außerordentliche Werk verlangt entschieden eine Spezialaulnahme, die
auf unserem Programm steht.
*) Nur vier kleine Bruchstücke von Keilschrifttexten (s. S. 59) fielen uns auf und in
der Nähe Büyükkaya's als Aufsammlungcn von der Oberfläche in die Hand.
loading ...