Mittheilungen der Deutschen Orient-Gesellschaft: Mitteilungen der Deutschen Orient-Gesellschaft

76.1938

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Mitteilung Nr. 7C>, April 1988.

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tausend* zuzuweisen ist und über die wir bis jetzt nur recht
mangelhafte und widersprechende Kunde haben. Wir sind
damit in die älteste Siedlungsschicht von HattuSa ein-
gedrungen. Die wahrscheinlich zugehörigen Baureste zeigen
deutlich, daß sie allen andern bisher in .Mittelkleinasien aus
jener Zeit bekannten weil überlegen sind. Bei Fortführung
der Arbeiten an dieser Stelle, die dringend zu wünschen ist,
Werden wir also in der Lage sein, wesentlich neue Beiträge
zur Architektiiigeschichte Kleinasiens auch über das 2. Jahr-
tausend hinaus zu gewinnen.

1). Priv a t h a u s be i m Lö we nto r.
Während wir schon über eine Reihe großer hethitischer
Bauwerke, besonders Tempel, verfügen, ist bis jetzt außer
einigen älteren Anlagen des 17. und 10. Jahrb.. auf Büyük-
kale kein privates Wohnhaus aus der Zeit des hethitischen
Großreiches (14.—13. Jalirh.) aufgedeckt worden. Südöstlich
des Löwentores ließen unzusammeiihängende Mauerreste,
die über die Oberfläche schwach herausragten, auf ein größe-
res Privathaus schließen (Abb. 20). Die Ausgrabung, die in-
folge der geringen Verschüttung rasch vonstatten ging,
führte zur völligen Freilegung und lieferte ein abgeschlossenes
Bild. Das Haus ist auf einet kleine Terrasse gebaut, die einen
weiten Oberblick fast über das ganze Stadtgebiet gewährt.
Dieser bevorzugten Lage entspricht die Ausführung des
Hauses (Abb. 21). Die Außenmauern bestehen aus sauber
verlegten, ziemlich großen Kalksteinquadern, der rechteckige
Komplex (17:l(i m) enthält einen Wohnteil mit vier Räumen,
darunter ein großes „Selamlik", in welches der Haupteingang
von Osten her mündet, und einen — vielleicht, später ange-
bauten Wirtschaftsteil von zwei Räumen (dorl fanden sich
Reste einiger Vorratsfässer), der durch einen besonderen
Xeheneingang auf der Westseite mit kleinem, überdachtem
Vorraum zugänglich war. Die wenigen Kleinfunde weisen
deutlich ins 14.—13. Jahrh. v.Chr. Das Haus steht seinem
Grundriß und seiner Raumaufteilung nach in klarem Zu-
sammenhang mit dem im letzten Jahr aufgedeckten Wohn-
haus aus dem 17./K1. Jahrh. auf Rüyükkale (MD0076, 1937,3
Abb. 1).
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