Mittheilungen der Deutschen Orient-Gesellschaft: Mitteilungen der Deutschen Orient-Gesellschaft

76.1938

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Mitteilungen der Deutschen Orient-Gesellschaft.

Abb. 11. Siegelstock, link» Abdruck.
14.—13. Jahrh., Tempel L (Nat. Gr.)

B. Der Tempel I.

Der große Tempel I (I—K/18—19) ist nach unwesent-
lichen Schürfungen von Chantre im Jahre 1907 von Krencker
und Curtius so weit untersucht winden, daß sein Grundriß
und seine Raumgestaltung in den wichtigsten Zügen erkannt
werden konnte. Dabei mußten jedoch recht wesentliche
Fragen ungelöst bleiben, die sich besonders auf die gesicher-
ten Grundlagen zur Rekonstruktion und auf die Datierung
der Anlage in ihren einzelnen Teilen beziehen. Wir haben
zunächst in diesem .Jahre den Ho! des Tempels völlig ans
gegraben und vom Schutt, befreit, sodaß er jetzt ersi in seiner
vollen Ausdehnung (ibersehen werden kann, was wesentlich
zum Gesamteindruck des Heiligtums beiträgt (Abb. 12). Bs
hat sich dabei ergeben, daß das Hofpflaster außer wenigen
Kesten — es bestand aus sehr großen regelmäßigen Kalk-
Steinplatten geraubl worden ist. I>as Pflaster ruhte auf
einer mächtigen Stampfung aus gelbem und rötlichem Lehm,
die ihrerseits wieder auf einem (Jnterpflaster aus kleinen
Kalksteinen aufliegt, das ein Nachgeben der l.ehmstampfung
und damit das Absinken des eigentlichen Hofpflasters vor
hindern sollte. Dieses Unterpflaster war überall, wo wir
es aufgesucht haben, sehr gut erhalten. Einen Begriff von
der soliden und pünktlichen Bauweise der hethitischen Hau
meister bekamen wir. als wir an einzelnen Stellen noch unter
dieses I Interpllastcr hinuntergingen und feststellten, daß der
ganze Untergrund dort aus einer Si tzung mächtiger Kalk

Steinblöcke besteht, also selbst an Stellen wie dem Hofe, wo

gar keine Hochbauten einen so kompakten Untergrund er-
fordert hätten. Diese sehr sorgfältige und tiefreichende Kon-
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