Zeitschrift für Theologie (ZTh)

Titel
Zeitschrift für Theologie. – Freiburg i.Br.: Wagner’sche Buchhandlung. – 1.1839 - 21.1849
Signatur UB Tübingen
Gd 205
ZDB-ID
531895-6
zum Herausgeber
Johann Leonhard Hug (1765-1846) Franz Anton Staudenmaier (1800-1856), Johann Baptist von Hirscher (1788-1865) u.a.. Es handelt sich um ein Publikationsorgan der Freiburger katholisch-theologischen Fakultät, allerdings in personellen Überschneidungen und Prägungen von der Katholischen Tübinger Schule her. Staudenmaier hatte in Tübingen studiert, Hirscher war von 1817-1837 Professor in Tübingen, dann ab 1837 in Freiburg.
zum Verlag
Fr. Wagner’sche Buchhandlung (Freiburg i. Br.): Dieser Verlag publizierte im theologischen Bereich eher reformorientiert katholische Literatur. Er hatte aber auch Titel aus anderen Fächern im Programm. Wichtig ist die Verbundenheit mit der Universität Freiburg. Publikationen des Verlages Wagner Freiburg.
Konfession
Katholisch
Theologische Schule
Katholische Tübinger Schule, Reformkatholizismus
Volltext der Zeitschrift

Theologische Anliegen

Geschichtlichkeit

Betont wird das geschichtliche Gewordensein und die beständige Entwicklung des Christentums und der kirchlichen Lehrsätze. Das Christentum wird entsprechend einem inkarnatorischen Denken und Organismusmodell als in die Geschichte eingebettet wahrgenommen. Dadurch entsteht eine Skepsis gegenüber übergeschichtlich-seinshaften ewigen Wahrheitsansprüchen. Vielmehr wird die Gegenwartsbezogenheit und Kontextualität herausgestellt. Ein innerkirchlicher und inhaltlicher Pluralismus wird für möglich, ja für notwendig gehalten.

Wissenschaftlichkeit

Aus dem dezidiert geschichtlichen Denken folgt eine Offenheit für historisch-kritisches Arbeiten. Auch ist eine Nähe zur spekulativen Philosophie und zum interdisziplinären Austausch ohne theologische Primatsansprüche vorhanden.

Kirchlichkeit

Im Unterschied zur Neueren Tübinger Schule der evangelischen Fakultät in Tübingen, zu der manche Berührungspunkte bestehen, bleibt die Katholische Tübinger Schule im kirchlichen Rahmen der katholischen Kirche. Einige ihrer Vertreter werden Bischöfe oder bekleiden andere kirchliche Ämter.

Selbstdarstellung Johann Baptist von Hirschers (ZTh 5. 1841, S. 3-35: "Katholicismus"):

Die Entstehung der kirchlichen Struktur des Glaubens ergibt sich als notwendiges Zueinander von Innerlichkeit und Äußerlichkeit, von Seele und Leib (vgl. S. 7). Die Kirchlichkeit begegnet aber als Prozess der "Vermittlung von Gegensätzen", wobei der Heilige Geist und das Apostolat treibende Kraft sind (S. 10). Katholisch ist der Glaube in dem Sinne, als er objektiv und universal ist, sich auf die Gesamtheit der Glaubenden bezieht: " So kam ... an dem Gegensatze der Neuerer und Irrlehrer der Innbegriff der apostolischen Lehre, und der Inhalt des sich stets gleichförmig fortpflanzenden Gemeinglaubens sämmtlichen Gläubigen zum bestimmten Bewußtsein" (S. 13). Ausdrücklich betont Hirscher "die organische Vertheilung, und das harmonische Zusammenwirken der verschiedensten Gaben und Kräfte zur Ausführung der Einen, der Menschheit gestellten Gesammtaufgabe" (S. 17).

Hirscher sieht die wesensmäßige Identität des Katholischen mit der graduellen Entwicklungsfähigkeit zusammen: "Sofern nun der Katholicismus das Wort und Werk Christi ist in seiner immerwährenden kirchlichen Verwirklichung, ist derselbe auch einer fortschreitenden Entwicklung und Verbindung mit Welt und Zeit fähig ... Außerdem ist der Katholicismus ... perfektibel hinsichtlich des Grades von Klarheit, Tiefe und Lebendigkeit ..." (S. 19).

Charakteristisch ist der Dialog mit anderen Wissenschaften, wie er im Werben für den Mehrwert des Katholizismus für die Begründung von Politik, Recht, Ethik zum Ausdruck kommt (S. 21 ff.).

Siehe auch Monographien zur Katholischen Tübinger Schule (SWB) und Aufsätze zur Katholischen Tübinger Schule (IxTheo).