Zeitschrift für Protestantismus und Kirche (ZPK)

Titel
Zeitschrift für Protestantismus und Kirche. – Erlangen : Deichert – 1.1838 - 5.1840; N.F. 1.1841 - 72.1876
Signatur UB Tübingen
Gd 59.4 und Gd 243
ZDB-ID
541873-2
zum Herausgeber
Adolf von Harleß (1806-1879), Johann Wilhelm Friedrich Höfling (1802-1853), Gottfried Thomasius (1802-1875), Johann Christian Konrad von Hofmann (1810-1877), später noch Heinrich Schmid (1811-1885), Adolf von Scheurl (1811-1893) und Franz Hermann Reinhold von Frank (1827-1894). Die ZPK hat selten namentlich gezeichnete Artikel. So muss der Herausgeberkreis die Mitarbeiter vertreten.
zum Verlag
Deichert (Erlangen und Leipzig): Dieser Verlag publizierte im theologischen Bereich v.a. dezidiert lutherisch ausgerichtete Literatur. Er hatte aber auch z.B. juristische und wirtschaftswissenschaftliche Titel im Programm. Publikationen des Verlages Deichert.
Konfession
Evangelisch
Theologische Schule
Erlanger Schule (Luthertum)
Volltext der Zeitschrift
Lutherrose (Bild: Wikimedia)

Theologische Anliegen

Konfessionalität

Verwurzelung theologischen Denkens und Arbeitens im lutherischen Bekenntnis, das als Zusammenfassung und Verstehenshilfe für die Heilige Schrift verstanden wird, wobei das Bekenntnis stets herkommt und bestimmt wird durch die Bibel als der eigentlichen und alleinigen Erkenntnisnorm. Mit dem Schriftprinzip (sola Scriptura) verbunden sind die anderen reformatorischen Exklusivpartikel (allein Christus, allein der Glaube, allein die Gnade). Lutherische Theologie ist immer genuin kirchliche Theologie im Unterschied zu manchen separatistischen Segmenten des Pietismus, zu dem es sonst manche Berührungen gibt.

Erfahrung

Wichtig für die Erlanger Schule mit ihrem Hintergrund in der fränkischen Erweckungsbewegung des 19. Jahrhunderts ist die Reflexion über die Gottes- und Glaubenserfahrung im Inneren, in der späteren Phase der Erlanger Schule auch in der Geschichte. Erneuerte Theologen betreiben eine erneuerte Theologie, wobei die Bewegungsrichtung der Erfahrung stets diejenige von Gott her zum menschlichen Subjekt hin ist. Der Schleiermachersche Subjektgedanke wird zwar aufgenommen, aber in den lutherischen Duktus der externen, theozentrischen Begründung eingefügt. Hauptgegner ist der theologische Rationalismus, wie er bis zum Beginn der Erweckung in der Erlanger Fakultät und anderswo vorherrschend war.

Gesetz und Evangelium

Kennzeichnend für lutherisches Denken ist die Unterscheidung und Abfolge von Gesetz und Evangelium, Gericht und Gnade, Zorn und Barmherzigkeit Gottes. Das Evangelium wird als befreiende Botschaft erst verständlich, wenn deutlich ist, woraus die Befreiung notwendig ist. Dass dies individuell je neu in der direkten Begegnung mit Gott geschieht, ist wiederum die Brücke zur Betonung der Erfahrung.

Sakramentalität

Lutherische Theologen gehen von der Wirkkraft Gottes im Wort der Bibel und im Vollzug der Sakramente aus. Von Pietisten unterscheiden sie sich durch die Betonung des objektiven Wirkens Gottes zumal in der Taufe, zu der ein Christ stets zurückfliehen und von dort her Gewissheit in der Anfechtung erfahren darf. Anders als Katholiken ist den Lutheranern allerdings der enge Zusammenhang von Sakramentsvollzug und persönlichem Glauben wichtig. Das fränkische Luthertum etwa mit Wilhelm Löhe (1808-1872) hat stets eine ausgeprägte Tauf- und Abendmahlsfrömmigkeit vertreten.

Beschreibung in der Sekundärliteratur

Friedrich Mildenberger (* 1929) (Geschichte der deutschen evangelischen Theologie im 19. und 20. Jahrhundert. – Theologische Wissenschaft ; 10. – Stuttgart: Kohlhammer, 1981. – S. 243) spitzt die Anliegen der ZPK so zu: „Der Name der Zeitschrift besage, »daß wir uns bei unserm Streben im entschiedensten Gegensatz zu einer Kirche befinden, die nichts vom Protestantismus, und zu einem Protestantismus, der nichts von der Kirche wissen will« (bei Mehnert 57).

Der Kampf soll also einmal gegen einen Katholizismus gehen, der das Lebensrecht der protestantischen Kirche bestreitet — seinerzeit in Bayern ein durchaus aktuelles Programm. Er soll aber andererseits einem Protestantismus gelten, der sich kritisch von der Kirche distanziert. Hier werden einmal der zersetzende Rationalismus genannt, dann der pietistische Separatismus, und schließlich die theologischen Schulen, die unter dem »Aushängeschild der freien Forschung« sich gegen die Kirche wenden. »Wenn irgendeine Kirche, so fordert die protestantische Kirche Freiheit der Forschung, so man das Wort wohl versteht und recht braucht. Aber die Kirche kann keine Freiheit unter dem Namen der Forschung und Wissenschaft einführen lassen, in welcher der wissenschaftliche Forscher, der für die Kirche zu arbeiten den Namen hat, sich von der höhern Gewissenspflicht emancipirt, die jedem Einzelnen die Gemeinsamkeit auferlegt, der er angehören will« (61). Doch könne nicht bloße Polemik gegen unfruchtbare Theorien das Hauptgeschäft werden. Es gehe vielmehr um ein Wirken für das die Kirche einigende Bekenntnis. »Nur da, wo man als das einigende Band die Macht eines gemeinsamen kirchlichen Glaubens anerkennt, den Keiner seine Erfindung, Jeder vielmehr nur ein geschenktes theures Gut nennen darf, ist jene Einheit vorhanden, welche zu wahren und zu vertreten Keinem Anmaßung, sondern Jedem Pflicht und Wohltat erscheint« (63).

Siehe auch Monographien zur Erlanger Schule (SWB) und Aufsätze zur Erlanger Schule (IxTheo).