Theologische Studien und Kritiken (ThStKr)

Titel
Theologische Studien und Kritiken : Beiträge zur Theologie und Religionswissenschaft. – Leipzig : Hinrichs. – 1.1828 - 109.1941
Signatur UB Tübingen
Gd 35
ZDB-ID
513356-7
zum Herausgeber

Johann Carl Ludwig Gieseler (1792-1854), Friedrich Lücke (1791-1855), Karl Immanuel Nitzsch (1787-1868), Carl Ullmann (1796-1865), Friedrich Wilhelm Carl Umbreit (1795-1860), Julius Müller (1801-1878), Willibald Beyschlag (1823-1900), Gustav Baur (1816-1889), Eduard Karl August Riehm (1830-1888), Julius Köstlin (1826-1902).

Der inhaltliche und zeitliche Umfang dieser Zeitschrift wie die Breite des Herausgeberkreises ist ein Ausweis der Tatsache, dass die Vermittlungstheologie den stärksten Strom innerhalb des deutschen Protestantismus des 19. Jahrhunderts darstellte.

zum Verlag
Perthes (erst Hamburg, später Gotha u.a.): Titel aus allen Fächern, aber viele theologische Titel evangelischer Provenienz. Publikationen des Verlages Perthes.
Konfession
Evangelisch
Theologische Schule
Vermittlungstheologie, später Kulturprotestantismus
Volltext der Zeitschrift
Albrecht Ritschl (Bild: Wikimedia)

Theologische Anliegen

Pragmatismus, Ausgleich von Gegensätzen

Die Herausgeber hoffen, dass im Zuge der Gründung eines deutschen Nationalstaates die Gegensätze „von Union und Confession” bzw. der lutherischen und reformierten Konfession an Bedeutung verlieren werden (Bd. 46 [1873], S. VI). Das, „was die verschiedenen Glieder der evangelischen Gesamtkirche einigt und durch Einigkeit stark macht” ist es, worauf das Hauptgewicht gelegt werden soll (ebd.). Ebenso soll im Verhältnis zum Staat „ohne Widerstreben dem Staate gegeben” werden, „was des Staates ist, aber auch die Selbständigkeit und freie Bewegung der Kirche gewahrt und nur solchen Neugestaltungen das Wort geredet” werden, „welche aus dem inneren Wesen und Lebensmittelpunkt der evangelischen Kirche herauswachsen und den organischen Zusammenhang ihrer geschichtlichen Entwickelung festhalten” (ebd., S. VII).

Man grenzt sich gegen die theologische Linke (Jüngere Tübinger Schule) ab, weil diese „mit den Dogmen mehr und mehr alle historischen Ueberlieferungen, auch die über die fundamentalen Heilsthatsachen in Frage stellt” (ebd., S. VII). Gegen die theologische Rechte (konfessionelles Luthertum, Erlanger Schule) bringt man deren „starke Neigung zu einer ‘fertigen’ Theologie” vor, „die den Glauben und das Bekenntnis der Kirche in den überlieferten und theilweise überlebten Formen autoritätsmäßig geltend machen will” (ebd., S. VII-VIII). Man wehrt sich aber auch gegen „ungesunde” Vermittlungsversuche, die sich nur mit halben Zugeständnissen helfen.

In der späteren Phase der Zeitschrift wird die Vermittlungstheologie dem Gedankengut der Anhänger Albrecht Ritschls (1822-1889) angenähert, der zu den führenden Köpfen des Kulturprotestantismus gehörte. Kennzeichnend war das Bestreben, den Gegensatz von Christentum bzw. Kirche und allgemeiner Kultur zu überwinden und beides – von einem ethisch-prozesshaften Verständnis des Reiches Gottes her – so weit als möglich miteinander in Einklang zu bringen.

Wissenschaftlichkeit und Kirchlichkeit

Demgegenüber wollen die Herausgeber der ThStKr bewusst in wissenschaftlicher Weise Theologie betreiben und sehen den Entwicklungsgedanken positiv. Dabei sollen allerdings „die ewigen Grundlagen eines gesunden Glaubenslebens der evangelischen Kirche nicht verlassen und verkannt” werden (ebd., S. VIII). die „Freiheit wissenschaftlicher Rede und Gegenrede” ist wichtig, aber auch, „die Grundlagen des Heilsglaubens und der Gemeinde Christi” nicht anzutasten (ebd.).

Siehe auch Monographien zur Vermittlungstheologie (SWB).